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21. Juni 2020 Lesegottesdienst

Gottesdienst zum 2. Sonntag nach Trinitatis

von Prädikant Friedrich Gasper (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Vorspiel

Place of Peace E. Sjunesson gespielt von unserem Organisten Benno Raabe

Begrüßung:

Liebe Internetgemeinde, seien Sie herzlich willkommen zur online-Version unseres heutigen Gottesdienstes. Obwohl wir seit Anfang Juni wieder Präsenzgottesdienste feiern dürfen, wollen wir diesen Internetdienst aufrecht erhalten für alle, die am Morgen keinen Platz in der Kirche gefunden haben und für alle die das am Morgen gehörte noch einmal in Ruhe nachlesen wollen. Ich freue mich, dass Sie sich dafür eine halbe Stunde Zeit nehmen.
Der Wochenspruch für die kommende Woche:

Kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken MT 11,28

ist heute auch unser Thema.

Votum:

Und so feiern wir diesen Gottesdienst gemeinsam im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herren, der Himmel und Erde gemacht hat;
der Wort und Treue hält und nicht loslässt das Werk seiner Hände.

Amen

Der Herr sei mit Euch
und mit deinem Geiste.
Amen

Psalm 36,6-10
Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Gebet:

Herr, durch die lange Zeit ohne Gottesdienst ist uns erst so richtig bewusst geworden, wie sehr wir die Gemeinde vermisst haben. Darum Herr, wollen wir dir danken.

dafür, dass wir wieder hier sein dürfen.
dafür, dass du uns in dieser schweren Zeit beschützt hast.
dafür, dass in unserer Gemeinde so viel Kreativität sichtbar wurde.
dafür, dass wir so engagierte Mitarbeiter haben.

Darum wollen wir dich auch bitten, dass du diesen Gottesdienst segnest.
Amen

Glaubensbekenntnis
Lassen Sie uns nun gemeinsam unseren Glauben bekennen.
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinab gestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er wiederkommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.
Lesung:     Mt 11,25-30
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

 

Alles ist mir übergeben von meinemVater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

 

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Lied:     EG 251 Strophe 1-3

Klavier und Gesang - unsere Organistin Erika Burnett

 

Herz und Herz vereint zusammen
sucht in Gottes Herzen Ruh
lasset eure Liebesflammen
lodern auf den Heiland zu
Er das Haupt, wir seine Glieder,
er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brüder,
er ist unser, wir sind sein

Kommt ach kommt, ihr Gnadenkinder,
und erneuert euren Bund,
schwöret unserm Überwinder
Lieb und Treu aus Herzensgrund,
und wenn eurer Liebeskette,
Festigkeit und Stärke fehlt,
o so flehet um die Wette,
bis sie Jesus wieder stählt.

Legt es unter euch ihr Glieder,
auf so treues Leben an,
dass ein jeder für die Brüder
auch sein Leben lassen kann.
So hat uns der Freund geliebet,
so vergoß er dort sein Blut,
denkt doch wie es ihn betrübet,
wenn ihr euch selbst Eintrag tut.

Predigt:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde, wenn man sich den ersten Satz unseres Predigttextes auf der Zunge zergehen lässt, spürt man einen Hauch von Ironie. Jesus preist Gott, weil er ES den Weisen und Klugen verborgen und dafür den Unmündigen offenbart hat. Das ist ein Seitenhieb auf die Schriftgelehrten und Pharisäer, die sich viel auf ihren Wissensvorsprung einbildeten.

Frage: „Was ist der Unterschied zwischen dem lieben Gott und einem Schriftgelehrten?“
Antwort: „Der liebe Gott weiß alles und der Schriftgelehrte … weiß alles besser.“

Es hat Gott gefallen, dass sie in all ihrer Gelehrsamkeit ES nicht erkannt haben, was den einfachen Leuten aber offenbar wurde.
ES“, das ist die wahre Bedeutung von Jesus. Ihm ist alles übergeben vom Vater. Das heißt, er hat die Vollmacht Gottes. Nur Gott der Vater kennt ihn, seinen Sohn wirklich. Und nur Jesus und die, denen er es offenbart hat, kennen den Vater. Das sind die Menschen, die mit großem Staunen, die Wunder gesehen haben, die Jesus wirkte und begeistert seine Reden hörten und sich davon im Herzen berühren ließen. Sie konnten in der Nähe von Jesus auch den Vater spüren. Die Schriftgelehrten dagegen suchten Gott allein mit dem Verstand in den Büchern des Alten Testaments.
So kam es, dass sie vor lauter Bäumen, den Wald nicht mehr sahen. Will heißen, dass sie vor lauter Gesetzen und Regeln, das Wesentliche an der Beziehung zu Gott nicht mehr erkannten. In Folge dessen bürdeten sie den Menschen jede Menge Vorschriften auf. Insgesamt waren es 613. Kein Mensch war wirklich in der Lage, all diesen Vorschriften zu genügen, auch die Pharisäer nicht, obwohl sie so taten. Als gläubiger Jude lebte man ständig in der Angst, irgendeine Vorschrift zu verletzen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer nutzten das, dazu aus, um den einfachen Menschen immer mehr Lasten aufzubürden, Lasten, die sie selbst nicht trugen. Mit ihrer, ständig zur Schau gestellten, Frömmigkeit wurden sie zum Sinnbild von Scheinheiligkeit und Heuchelei.
Jesus sagt: „Kommt zu mir!“ „Lernt von mir!“ „Meine Last ist leicht!“
Das hört sich jetzt so an, als ob Jesus die Gesetze des Alten Testaments abschaffen wollte. Aber dem ist nicht so. Er sagt selbst:

"Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.“

Das Gesetz erfüllen heißt es mit Leben füllen. Das heißt den Sinn des Gesetzes erkennen und danach handeln und nicht ohne Sinn und Verstand einfach nur irgendwelchen Formalien zu genügen.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer machten es sich, seiner Meinung nach, zu einfach. Sie glaubten, dass allein die formale Einhaltung der Gesetzesvorschriften den Ansprüchen des Gesetzes genügt. In der Bergpredigt hebt Jesus die Gesetze nicht auf. Im Gegenteil, er verschärft sie noch z.B. durch:

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist 'Du sollst nicht ehebrechen!' Ich aber sage euch: 'Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.'“
„Denn ich sage euch: 'Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.'“

Das ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie die formale Einhaltung des Gesetzes und sein eigentlicher Anspruch weit auseinander klaffen können. Nun kann man sich fragen, wie das zusammenpasst. Auf der einen Seite verschärft Jesus die Auslegung der Gesetze und auf der anderen Seite sagt er:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Wieso kann er dann behaupten, dass sein Joch sanft, und seine Last leicht ist?
Jesus betont immer wieder, das die Gesetze für die Menschen gemacht wurden und nicht die Menschen für die Gesetze. Er verdeutlicht das unter anderem auch am Beispiel des Sabbatgebotes, gegen das er mehrfach verstoßen hat. So heilt er immer wieder Kranke auch am Sabbat. Er nimmt auch seine Jünger in Schutz, als sie an einem Sabbat Ähren abstreiften und aßen. Dabei verweist er auf König David, der mit seinen Gefährten, als sie hungerten, ohne Bedenken die Schaubrote im Tempel aß, die eigentlich nur die Priester essen durften.
Das können und sollten wir von Jesus lernen. Grundlage des eigenen Handelns soll eben nicht die formale Erfüllung des Gesetzes sein, sondern der Wille Gottes. Und Gott hat schon im Alten Testament gesagt:

„Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer“

Und auch das Doppelgebot der Liebe, das Jesus zitiert, stammt aus dem Alten Testament.

„Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“

Für Jesus ist unser Verhältnis zu Gott nicht, wie die Schriftgelehrten glauben, ein Herrschaftsverhältnis, das auf Befehl und Gehorsam beruht. Für ihn ist unser Verhältnis zu Gott eine emotionale Beziehung, so wie sie zwischen Eltern und ihren Kindern besteht. Sie beruht auf gegenseitiger Liebe. Wenn das so ist, brauch man keine komplizierten Ausführungsbestimmungen mehr und auch keine formaljuristischen Tricks. Mit diesem Doppelgebot der Liebe ist alles gesagt.
Wenn wir Gott als unseren Vater lieben, dann haben wir, wie gesagt, eine emotionale Bindung zu ihm. Vater steht hier allgemein für Eltern, die immer das Beste für ihre Kinder wollen, auch wenn die das nicht immer verstehen. Sie machen ihre Liebe nicht abhängig von deren Wohlverhalten. So liebt Gott uns auch, nicht weil sondern obwohl wir so sind, wie wir sind mit all unseren Fehlern.
Auf der anderen Seite, wenn wir, als die Kinder, uns an Gottes Gebote halten, sollten wir das nicht aus Angst vor Strafe oder in Erwartung einer Belohnung tun, sondern einfach darum, weil wir Gott lieben. In einer Liebesbeziehung bemüht man sich das zu tun, was dem anderen gefällt und das zu vermeiden, was ihn ärgert.
Daraus ergibt sich fast zwangsläufig das zweite Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn wir Gottes Kinder sind, dann sind unsere Mitmenschen unsere Schwestern und Brüder, die von Gott genauso geliebt werden wie wir. Und alle Eltern wünschen sich doch von ihren Kindern, dass sie sich vertragen und zusammenhalten. Jesus, unser großer Bruder, ist darin unser Vorbild, von dem wir lernen können. Wenn wir das tun, wird unsere Seele, wie Jesus sagt, Ruhe und Frieden finden.
Und der Friede und die Liebe Gottes, die höher sind als all unsere Vernunft mögen unsere Herzen und Sinne bewahren in Jesus Christus.
Amen.

Instrumental

Rondeau H. Purcell gespielt von unserem Organisten Benno Raabe

Fürbitten und Vater Unser

Wir wollen beten.

Herr wir bitten dich um deinen Heiligen Geist, dass er uns hilft, die Liebe, die wir von dir erfahren haben, an unsere Mitmenschen weiter zu geben.
Hilf uns, dass wir uns mutig gegen jede Form von Rassismus und Ausgrenzung von Menschen wenden.
Hilf uns auch die Folgen der Corona-Krise so zu überwinden, dass auf die schwächeren und gefährdeten Mitmenschen Rücksicht genommen wird.
Leite unsere Politiker, dass sie mutig und besonnen die Schritte unternehmen, die notwendig sind zum Wohl aller Menschen.
Hilf unseren Ärzten und Forschern, dass sie bald ein Mittel gegen das Virus und einen Impfstoff finden.
Alle Anliegen, die wir jetzt nicht genannt haben legen wir in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen:

Der Herr segene dich und behüte dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchen über dir und sei dir gnädig
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden

Nachspiel:

Russischer Tanz A. Terzibaschisch gespielt von unserem Organisten Benno Raabe

Digitale Kollekte

Wenn Sie im Augenblick keinen öffentlichen Gottesdienst in unseren Kirchen besuchen können.
Sie etwas zur Ünterstützung verschiedenster Zwecke und Werke geben möchten,
h
aben Sie hier die Möglichkeit für die jeweiligen Tage etwas zu geben:

Herzlichen Dank für die Unterstützung.

Hinweise zum Copyright:

Bei den Audioteilen wurden neben eigenen Aufnahmen auch Passagen mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaftaus gelesen aus: Die Große HörBibel – Die Bibel nach Martin Luther, © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Bibelstellen im Text sind aus die-bibel.de/bibeln/online-bibeln entnommen.

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