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23. August 2020 Online-Predigt

 

von Pfarrer GUIDO KOHLENBERG, SPEICHER (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Predigttext    LUKAS 18, 9-14
9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Onlinepredigt     Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommen wird!

Liebe Geschwister, liebe Gäste,

gerade in diesen Zeiten, wo Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen aus der Kirche austreten, höre ich verstärkt die Aussage: „Aber ich glaube natürlich weiterhin an Gott!“ Oder „Ein Christ bin ich schon!“ oder „Ich spende mein Geld jetzt halt für soziale Zwecke“ oder „Ich bin im tiefsten Inneren ein guter Mensch“ oder so ähnlich.

Und natürlich nicht wortwörtlich .. Manchmal kommt es mir vor wie ein Arbeitszeugnis. Und da denkt man immer, man hätte das mit der Schule und der Berufsausbildung oder dem Examen hinter sich gelassen. Aber? PUSTEKUCHEN! Einer findet sich immer, der mir mit wenigen Worten (oder sogar wortlos) ein Zeugnis ausstellt. Und das hört selbst mit dem Tod nicht auf. Ich habe das schon bei Beerdigungen erlebt, dass der Chef des Verstorbenen auftritt und auch noch kurz etwas sagen möchte. Und dann sagt er: „Klaus Meyer hat immer die an ihn gestellten Anforderungen übertroffen. Er war seinen Kollegen ein Vorbild. Seine kreative und fleißige Art….“ – Hä?

Oft ist es bei mir oder auch anderen aber so unterschwellig, dass ich es kaum merke. Ich drücke Menschen einen Stempel auf, stecke ihn in eine gut beschriftete Schublade und bin zufrieden mit der Welt. Denn ich habe wieder mal geklärt, wer in den Himmel kommt und wer nicht. – Doch der Mensch dachte und Gott … lachte!

Nun zu unserem für heute vorgeschlagenen Bibelabschnitt, der sich der Frage – na ja ich will sie mal so zuspitzen – WER KOMMT IN DEN HIMMEL? widmet. Und sich ihr auf eine ganz andere Weise nähert. Man könnte auch sagen: Typisch Jesus!. Und er stellt auch so eine Art Zeugnis aus. – Oder? - Doch vielleicht öffnet er ja auch seinen Zuhörern nur so ein ganz klitzekleines Fenster zum Himmel. Sie haben es auf dem kleinen grünen Zettel. Ich lese noch einmal vor

9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

„Schlecht kopiert!“ könnten Sie jetzt sagen. (Und es wäre nebenbei auch so ‘ne Art „Zeugnis“, gell?) Ich verrate Ihnen was: Das war Absicht! Ich wollte gerne deutlich machen, dass die Bibelabschnitte, die wir in den Gottesdiensten lesen und bepredigen, immer in einem Zusammenhang stehen.

Der Zusammenhang hier ist: 1.) Jesus erzählt davor das Gleichnis von der nervenden Witwe: Eine Frau, die einen Richter so lange mit ihrem Anliegen nervt, bis dieser ihr Recht verschafft. Und das nur, weil sie nervt. Und dann sagt Jesus, dass wir so beten sollen – Hä?

Und 2.) Danach segnet er die Kinder. Ob Jesus das genau in dieser Abfolge gemacht hat oder Lukas das so zusammenstellt, ist weder heilsnotwendig noch besonders wichtig. Der Zusammenhang hat allemal eine Bedeutung. Man könnte nämlich alles zusammenfassen unter der Frage „Wann ist ein Christ ein Christ?“ – Oder meinetwegen auch noch „Wer kommt eigentlich in den Himmel?“

Lassen Sie mich schauen, wer für Jesus KEIN gottgläubiger Mensch ist: Ich entdecke 3 Kriterien: 1. Menschen, die „auf sich selbst vertrauen, dass sie gerecht seien“ 2. die, die alle anderen verachten, die „nicht gerecht“ sind und 3. solche, die sich selbst „vergöttern“.

Doch nun lassen Sie uns unter diesen Vorzeichen einmal das Gleichnis Jesu anschauen! Und mein kleiner Sermon, bevor wir uns das Gleichnis anschauen, muss sein, weil man es sonst nicht versteht: Jesus erzählt Gleichnisse nicht, um die Wirklichkeit abzubilden, sondern um die Wirklichkeit zu verändern.

Kurz gesagt, entspricht das etwas dem Unterschied in der Haltung, ob jemand sagt: „Oh, da läuft grad ein kleines Kind über die Straße… Ah, und jetzt kommt da ein Auto gaaanz schnell angefahren!“ oder ob Sie hinrennen und schreien: „Ey! Stopp! Bleib stehen!“ - Sie verstehen! …

2 Menschen – der eine ein Anerkannter seiner Zeit, der Fromme schlechthin. Der andere das Allerletzte, Abschaum! Lässt sich mit den Besatzern ein. Zieht anderen das Geld aus der Tasche. Und die beiden gehen in den Tempel in Jerusalem hoch, um zu beten.

Hier dürften einige der Zuhörer damals schon widersprochen haben: „Stopp Stopp Stopp, Jesus! Zöllner beten nicht. - Oder zumindest dachte ich das immer. – Also…. Ein, die machen das ganz bestimmt nicht!“ Und vielleicht hat Jesus ja geantwortet (und Lukas nur nicht überliefert): „Hey, ganz cool Leute! Ist doch nur ein Gleichnis!“

Und dann dankt der Pharisäer in dem Gleichnis laut! Wow! Das ist doch das Höchste: Gott danken. Das ist echt fromm! Aber wie er dankt: „DANKE GOTT! …. Dass ich nicht so bin wie die anderen, die Räuber – ich bin keiner – die Ehebrecher – bin ich auch nicht – oder Ungerechte – bin ich natürlich nicht. Und der Gipfel – dieser Zöllner da hinten. Danke, Gott, dass ich kein solcher Typ geworden bin! So, und jetzt sage ich dir mal, Gott, warum ich zu dir in den Himmel komme: Ich faste nämlich nicht nur einmal, nein zweimal in der Woche! Und von all dem Geld, was ich einnehme (?), gebe ich 10 % ab. - Himmel, ich komme!“

Und dann dieser andere. Er steht ganz hinten im Tempel. Er traut sich noch nicht einmal aufzublicken. Er hält den Kopf gesenkt. Er schlägt nur an seine Brust und sagt (im Griechischen Original) sechs Worte: „GOTT, SEI MIR, DEM SÜNDER GNÄDIG!“ – Wie trete ich vor Gott, im Brustton der Überzeugung oder mit dem Schlag auf die Brust?

Dieser, ja, der Zöllner, so rundet Jesus seine Gleichnis-Erzählung ab, der kommt in den Himmel, nicht der erste. Denn wer sich großmacht, der sich selbst „vergöttert“ den kriegt Gott klein. Wer sich selbst klein macht, ganz klein vor dem Allmächtigen Gott steht, den erhebt Gott.

Und jetzt bringen sie ihm die Kinder (wer kennt diese Folgegeschichte?) … Da veranschaulicht Jesus nämlich, was er in dem Gleichnis sagen wollte.

Also, WANN IST EIN CHRIST EIN CHRIST?  ->  ……………………

DARF EIN CHRIST ALSO NICHTS GUTES TUN?  ->  ……………………

Die Haltung, die ist es! Die ist ausschlaggebend. Und die Schaltung. Und nicht zuletzt die Verwaltung. Ja, ich spiele gerne mit Worten! Doch es geht um mehr. Beim Auto ist es so: Das eine macht im schlimmsten Fall den Rücken kaputt, das andere das Auto. Und wenn die Verwaltung nicht stimmt, geht es möglicherweise ans Geld.

Und so ääähnlich ist das hier auch: Mein christliches RÜCKRAT wird durch meine Haltung trainiert. (Testfrage: Bei welcher Begegnung trete ich sofort innerlich zwei Schritte zurück?) Die Schaltung ist eine Frage der Praxis. (Testfrage: Wann habe ich zuletzt jemandem einfach etwas geschenkt – ohne Hintergedanken?) Und dann noch die Verwaltung: Wie gehe ich mit meinem Geld um? Betrachte ich es als Verdienst, Besitz oder als etwas, was mir von Gott geliehen ist?

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre Sie in Christus Jesus, dem Gekreuzigten und Auferweckten und Gegenwärtigen! (Amen)

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