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07. November 2021 Predigt

von Pfarrer GUIDO KOHLENBERG (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Predigttext    Psalm 85

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommen wird!

Liebe Geschwister, liebe Gäste,

den Predigttext haben wir bereits miteinander gebetet. Es ist der 85. Palm. Insofern ist das angemessen, ihn zu beten. Eigentlich hätten wir ihn sogar singen müssen. Die Psalmen sind gesungene Gebete. Der 85. speziell wird als Klage und Bitte des Volkes bezeichnet. - Ich habe nur drei ganz kurze Impulse von diesem gesungenen Gebet Israels her:

Die Beter stehen singend da,
blicken erinnernd zurück
und weisen fragend, flehend und fordernd nach vorne.

Ein bisschen habe ich gemogelt, weil der dritte Punkt bei mir seinerseits aus drei Punkten besteht. :-)

DIE BETER STEHEN SINGEND DA

Die Vorsänger sind Korachiten, kommen also aus der Familie Korach und singen am Tempel vor. So brauchte man keine Gesangbücher. Die Chorleiter sangen vor und die anderen einfach nach – oder im Wechsel.

Wir machen das heute ja auch. Überall wo wir uns wohlfühlen, wird es mehr oder weniger göttlich und wir fangen an zu singen. Ab und zu schneiden sich die Kirchen ja vielleicht mal eine Scheibe von den Isländischen Fußballfans ab!

Wer singt, der betet doppelt – hat mal ein kluger Mensch gesagt. Da ist nämlich noch das Zwerchfell beteiligt. Die Stimmbänder werden viel stärker eingesetzt, als wenn da eine/r nur spricht. Und unsere Gefühle werden von Musik und vom Gesang auch viel mehr berührt, als wenn man „nur redet – wie vor allem Kinder gerne mal ihre Eltern kritisieren oder Vorderasiaten die deutsche Geburtstagskultur.

DIE BETER STEHEN SINGEND DA

Und das heißt – so ganz nebenbei – das geschieht mitten im JETZT. Wer singend betet oder betend singt, der ist ganz im Jetzt und HIER. „SEINE HILFE IST NAHE!“ Der erlebt (hoffentlich), dass ihn Gott gepackt kriegt – ohne ständig zu überlegen, warum ich das jetzt mache und was gestern war und morgen sein wird… Das kommt erst jetzt:

DIE BETER STEHEN SINGEND DA und
BLICKEN ERINNERND ZURÜCK

Natürlich habe ich als frommer Jude die gesamte Geschichte meines Volkes im Blick. Ich bete die Psalmen auch, um mich einzubinden in die Gottesgeschichte. Vormals ist ein altes Lutherwort. Man könnte auch „damals“ oder „dazumal“ oder notfalls auch „früher“ sagen. Dieses VORMALS hämmern die Beter und Sänger jedenfalls ihrem Gott geradezu ins Ohr: Damals hast du vergeben. Damals warst du gnädig. Damals hast du deinen Zorn losgelassen, Gott! Damals! Weißt du noch, Gott? Beinahe schon anmaßend, Gott erinnern zu wollen. Oder? Aber nicht nur in diesem Psalm geschieht das!

DIE BETER STEHEN SINGEND DA,
BLICKEN ERINNERND ZURÜCK
UND WEISEN NACH VORNE

Die Psalmen sind – im tiefsten Grunde - voller Hoffnung. Selbst die frustrierendsten Lieder im Gesangbuch Israels kriegen, während sie gebetet werden, eine Wendung zur Hoffnung hin. Der Großteil dieses Psalmes besteht aus einem Ausblick.
Deshalb meine drei Unterpunkte:

DIE BETER STEHEN SINGEND DA,
BLICKEN ERINNERND ZURÜCK
UND WEISEN NACH VORNE

Und wie?

FRAGEND, FLEHEND UND FORDERND

Sie fragen Gott: „Willst du denn für alle Ewigkeit an deinem Zorn festhalten?“

Sie flehen Gott an: „Hilf uns doch, Gott!“ Wie diese Frau flehen sie, die einen Saum von Jesu Gewand angerührt hat. Wie die Frau – und oft sind es Frauen gewesen – die Jesus für ihre Tochter bittet und sich einfach nicht abweisen lässt.

Sie fordern geradezu: „Herr zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!“ - Jetzt aber, Gott. Es wird Zeit! Und wenn Jesus im NT von dem ungerechten Richter erzählt – ein Gleichnis – der einer Frau ihr Recht zukommen lässt, weil sie ihn fordert und nicht Ruhe gibt. Ja auch so spricht Israel mit seinem Gott. - Und Du? - Und ich? - Würde ein Marsmännchen, das heute unseren Gottesdienst besucht und dann ein paar Wochen in unserer Gemeinde mitlebt, sagen:

DIE BETER STEHEN SINGEND DA,
BLICKEN ERINNERND ZURÜCK
UND WEISEN
FRAGEND, FLEHEND UND FORDERND
NACH VORNE

Würde es das so sagen? – Eine offene Frage!

Der Psalm mündet in ein Staunen über Gott, mündet in Worte und Bilder, die schöner nicht sein könnten. Hoffnung bricht sich Bahn. Dimensionen von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft verblassen, wo das Staunen über Gott Raum gewinnt.

10Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; 11dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; 12dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; 13dass uns auch der Herr Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe; 14dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.

UND DER FRIEDE GOTTES, DER HÖHER IST ALS ALLE UNSERE VERNUNFT, DER BEWAHRE UNSERE HERZEN UND SINNE IN CHRISTUS JESUS, DEM GEKREUZIGTEN UND AUFERWECKTEN UND GEGENWÄRTIGEN! (Amen)

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