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14. November 2021 Predigt

von Pfrarrer i.P. László Szilágyi (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg) Laszlo Szilagyi

Predigttext: 2 Korinther 5,1-10

1 Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, 3 weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. 4 Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. 5 Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. 6 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; 7 denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 8 Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. 9 Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. 10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse. (Lutherbibel 2017)


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Was hast du getan?

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

ich denke es gibt da eine Frage, was uns während unseres ganzen Lebens in irgendeiner Form, angenehm oder unangenehm, beschäftigt: wie werde ich beurteilt, was sagen die Menschen über mich, welche Erinnerungen hinterlasse ich, wenn ich nicht mehr da bin?


Die quälende Frage können wir sehr individuell wahrnehmen, auch unsere Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Denn, unsere Anpassungsfähigkeit bringt mehr oder weniger auch unsere Anerkennung und Status in unserer Familie, auf unserem Arbeitsplatz, in der Gemeinde, also allgemein in der Gesellschaft mit sich. Und ganz ehrlich: niemand von uns möchte abgelehnt werden.

Die Welt, und darin die Menschen sind aber gnadenlos. Die Ausdrucksformen „nicht gut“, „schlecht“ oder die heute so diplomatisch ausgedruckte „Verbesserungsdürftig“ sind eigentlich eine offene Tür für ständige Unzufriedenheit. Ist doch klar: es gibt nichts auf dieser Welt was - allerdings meistens nach bestimmten Interessen, nach festgelegten Kriterien oder nach subjektiven Ansichten des Beobachters - also, es gibt nichts was nicht noch besser gemacht werden könnte.

Dazu kommt der Drang oder der Wunsch in der „Geschichte“ nur positiv erwähnt werden. Alle hinterlassene Spuren sollten möglichst positive Erinnerungen über einem/einer hervorrufen.

Ende des 19ten Jahrhunderts machte der aus einem polnisch-jüdischen Haus stammende Komponist und Pianist Moritz Moszkowski einen Spaziergang mit Alekszandr Glazunov - ein Rimszkij Korszakov Lehrling - auf den Straßen von Wien. Als sie an der ehemaligen Wohnung von Franz Schubert ankamen hielten sie kurz an und lasen auf einem Marmorstein die gemeißelte Erinnerungs- Widmungsworten des weltberühmten Musikers.  

- Was denkst du mein Freund - fragte Glazunov - wenn ich sterbe, wird auch auf mein Haus solch ein Tafel angebracht?

- Bestimmt. - antwortete Moszkowski.

- Und was wird dann auf diesem Tafel stehen? - setzte Glazunov die Frage angespannt fort.

- „Das Haus ist zu verkaufen“ - antwortete der Meister mit seinem trocknen Humor.

Welche Geschichten werden Menschen einfallen, wenn sie sich an uns erinnern? Wie werde ich für die nächste Generation in Erinnerung bleiben?

Am 13 November 1918, also gestern vor 103 Jahren schrieb Carol der Erste, der Kaiser Österreichs, dass er sich in die staatlichen Angelegenheiten Ungarns nicht mehr einmischen möchte. Seine Frau, Königin Zita äußerte sich aber, dass ein Herrscher nicht einfach so kündigen kann, er kann nur entthront werden.   

Es waren Menschen, die sich um den Ruhm, um den hinterlassenen Eindrücken Gedanken gemacht haben. Welche Beweggründe hat der Mensch, wenn er an die Zukunft denkt? Welche Motivation hat man so zu sein, wie man letzten Endens ist?

Nach dem Paulus sich in dem vorherigen Kapitel mit dem Thema auseinandergesetzt hat, war ihm bewusst, dass er wegen seines Dienstes für Gottes Reich keine menschliche Auszeichnung bekommen wird. Er gibt den Auftrag Gottes dennoch nicht auf. Er leugnet es zwar nicht, dass es richtig sei, dass sein irdischer Körper verdirbt, betont er aber gleichzeitig, dass sein geistliches Leben erneuert wird. In diesem Kontext beschäftigt er sich im Kapitel 5 mit der Frage, was nach dem Tod passiert.

Es sind drei Bilder, die hier durch Paulus uns verdeutlichen möchten, worauf er sich nach dem Tod einstellt, wie er das Leben nach dem Tod sieht.

1) Hütte oder Haus

„Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“ (Vers 1.)

Eine Realität für Paulus, denn er war selbst Zeltmacher, und er weiß genau, dass die von ihm hergestellten Zelte irgendwann kaputt gehen. Er weiß, dass das Leben, wie ein Zelt auch, ein Ende hat. Wer von Ihnen würde auf die Frage „Wirst du auch sterben?“ die Antwort geben, dass er oder sie noch nie darüber in irgendeiner Form nachgedacht hat?

Es ist keine Frage. Paulus möchte und kann offen darüber reden. Es ist aber nicht einfach sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Die bedrohlich klingelnde Tat, dass „auch unser äußerer Mensch verfällt“ (2 Kor. 4,16) erreicht uns meist, wenn wir durch unheilbare Krankheit, Sterbefall in der Familie, durch ein Unglück, persönlich betroffen sind. Meist erst, wenn wir unsere „Hütte“ verlassen müssen, kommen uns die Gedanken der „Vergänglichkeit“ hoch. Und was ist danach? Kann es sein, dass damit alles vorbei ist?

Nein, wir haben doch ein Haus, der von den himmlischen Händen gebaut ist. Das Haus steht, denn es ist auf den Eckstein Gottes gebaut, nämlich auf Jesus Christus. Er hat uns diesen Umzug ermöglicht. Er hat das himmlische Haus gebaut, und er gibt uns ein neues, ewiges Leben. Diese Wohnungen sind keine „Wohnviertel“ wo wir fremd nebeneinander leben. Das ist ein Haus, wo für jeden und jede von uns das Wohnen bereitgestellt ist: „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten...“  versprach Jesus. (Johannes 14,3)

So bleibt es nun wichtig: lebe nicht so, als würdest du auf dieser Erde ewig leben. All das ist vergänglich. So ist vielleicht verständlich warum sich lohnt die Frage zu stellen: macht es Sinn endlos über unsere Kräfte hinaus auf unser vergängliches Leben zu konzentrieren, und alles dafür zu widmen und zu opfern? Ist es nicht überlegenswert uns nach dem Unvergänglichen zu erkundigen?

2) Ausgezogen oder angezogen?

Paulus verwendet ab dem zweiten Vers das Bild eines Menschen der ein Kleid an- bzw. auszuziehen hat. Er sieht die Menschen als solche, die angezogen, dennoch unzufrieden sind: „Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden...“ (Vers 2).

Das „seufzen“ bedeutet hier „wir quälen“, „wir stöhnen“, und deutet auf die Verfolgung und auf das schwierige Leben des Paulus hin. Ja, das Leben eines Menschen, so auch unser Leben ist individuell schwer, voller Kämpfe, manchmal voller Qual und Angst. So sehnen wir uns einfach danach, das Leben ablegen zu können, und damit all die negative Folgen und Formen des irdischen Lebens nicht mehr ertragen zu müssen.

Um was Neues anzunehmen müssen wir also das Alte ablegen. Damit tun wir uns aber schwer, denn „...wir (sind) lieber nicht entkleidet...“ (Vers 4). Es ist doch ein Leben, das wir von Gott erhalten haben. Es ist doch auch schön! Es gibt doch auch Freude und Werte an und in diesem Leben. Wenn die Zeit kommt das „alte Leben“ abzugeben, haben wir plötzlich Angst. Doch, um das neue anzunehmen müssen wir das alte abgeben.

Eins ist hier sehr wichtig zu klären: Paulus möchte nicht von seinem Körper gelöst sein, wie in manchen Religionen unterrichtet wird. Paulus redet von dem Sieg des unsterblichen Lebens über dem Sterblichem.

Denn, durch den Sieg Jesu Christi über den Tod - siehe, er ist gestorben aber am dritten Tage auferstanden - ist es uns möglich, dass wir im ewigen Leben „mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden“

Dass das Leben zwar vor unseren Augen, nach unserem menschlichen Verständnis zu Ende geht, ist richtig, aber richtig ist es auch, dass das ewige Leben den Tod besiegt hat, und wir das Neue anziehen. Auf uns wartet durch Jesus das ewige Leben: „...denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.“ (2 Kor. 4,14)

3) Zuhause oder Daheim?

Paulus schreibt: es gibt die Möglichkeit hier auf der Erde zuhause zu wohnen: „im Leibe wohnen“ aber dann „weilen wir fern von dem Herrn“ (Vers 6). Oder es bietet sich das Bessere an, nämlich „den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn.“

Nein, hier handelt es sich gar nicht darum, dass man die Schönheit des irdischen Lebens vernachlässigen soll. Der große Theologe Karl Bart sagte: „Wer… die Schönheit des Lebens nicht begriff, weiß nicht, was die Auferstehung ist.“ (Kleine Dogmatik).

Hier handelt es sich einfach um eine Empfehlung keine Angst zu haben vom „Guten-Leben“ in das „Beste-Leben“ zu übergehen, den Weg von der Erde ins Ewige Leben zu betreten. Letzten Endes mit dem vom Gott empfangenen Geschenk - mit dem Leben - haben wir treu umzugehen, und dankbar zu leben: „Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen.“ (Vers 9)

Demnach bleibt es nun die Frage, was uns vorm Richterstuhl Christi gesagt wird:

„Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist“ (Matthäus 25,34) oder „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ (Matthäus 25,41).

Das wir einmal noch gefragt werden, wie wir mit unserem irdischen Leben umgegangen sind, ist also keine Frage: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.“

Wenn Sie mich fragen, macht es mir aber keine Angst, noch mehr, fühle ich mich ermutigt: „So sind wir denn allezeit getrost und wissen“ (Vers 6) und „Wir sind aber getrost“ (Vers 8).

Nein, weder der Pastor, noch das Presbyterium, noch eine oder einer von den Gläubigen kann uns hier darauf vorbereiten, was unsere „Wandlung“ anbelangt: „Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat.“ (Vers 5)

Die Hoffnung und die Gewissheit der Liebe Gottes möge euch heute am Tag der Erinnerung an den Verstorbenen mit seinem Segen füllen.

Amen

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Herzlichen Dank für die Unterstützung.

Mit brüderlichem Gruß

László

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