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4. September 2022 Predigt

Guido Kohlenberg -   „3 Minuten, 3 Tage und 30 Jahre“

 

Liebe Geschwister, liebe Gäste, ich lese Apg 9, 1-20

Doch zuvor habe ich eine kleine Bitte: Könnten Sie sich von mir einladen lassen, für 30 Sekunden die Hände so vor die Augen zu halten, dass Sie / dass wir miteinander möglichst gar nichts sehen? – Und drücken Sie ruhig ein bisschen! - 30 SEK – Ich lese:

 1 Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester 2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, dass er Anhänger dieses Weges, Männer und Frauen, wenn er sie fände, gefesselt nach Jerusalem führe.
3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; 4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? 5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. 7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.
8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; 9 und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
10 Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. 11 Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet 12 und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und ihm die Hände auflegte, dass er wieder sehend werde.
13 Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; 14 und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen.
15 Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. 16 Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen.
17 Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. 18 Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen 19 und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus.
20 Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei.    
(Lu17)                         

Bei Paulus sind es nicht nur 30 Sekunden, sondern volle 3 Tage. 3 Tage lang blind! Und das auf einen Schlag. - Und wissen Sie noch wie es Ihnen eben ging? Haben Sie etwas gedacht…? Und wie war das, als Sie die Hände wieder fortgenommen haben???

Ich habe mir als Student ein wenig Geld hinzuverdient, indem ich alte du kranke Menschen betreut habe – so eine zeitlang zweimal wöchentlich abends drei Stunden lang einen blinden Mann betreut habe. Ich weiß noch: Mein Arbeitgeber war die Tübinger Alten- und Familienhilfe. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt … So musste alles im Tempo eines 80jährigen „sehbeeinträchtigten“ Menschen gehen und nicht dem eine 20jährigen sehenden. Von der Küche ins Schlafzimmer führte ich ihn. Ich las ihm vor, was er wollte und – ich muss das gestehen – manchmal, was ich wollte. Er war erst im Alter erblindet. Wenn ihn etwas nicht interessierte, was ich las, drückte er auf seine Uhr, die dann laut die Uhrzeit verkündete…

Paulus kann später sagen, dass er vor seinem Damaskuserlebnis blind war. (…………………) Und unmittelbar vor diesen besonderen drei Tagen in seinem Leben stehen ja rund drei dramatische Minuten – wenn man diese wenigen – beinahe spröden - Sätze der Bibel liest, in denen von der Begegnung des Paulus und seinen Begleitern mit Jesus die Rede ist. Drei Minuten und dann drei Tage, die sein Leben auf den Kopf gestellt haben – oder – so würde er wohl sagen, wenn er selber hier stünde – vom Kopf auf die Füße. … Danach sind es dann ziemlich genau 30 Jahre – 30 Jahre des Sehens! Manche Ausleger rechnen vom Jahr 33 bis 64 nach Christus. Eine lange Zeit der Missionstätigkeit, des Reisens für Jesus als Zeuge für eine radikale Umkehr und – Jahre des Sehens. (   ) Und das geht tatsächlich (beinahe) sofort nach den drei Tagen bei Bruder Hananias los.

 Der Blindgeborene, den Jesus heilt, sagt auf all die Fragen der Schriftgelehrten – und sie legen ihm die Antwort schon in den Mund – „wir wissen, dass der ein Sünder ist“ -  „Ich weiß das nicht – aber eins weiß ich: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen!“ Es lohnt sich wirklich, das Streitgespräch mal in Ruhe zu lesen in Johannes 9. Und ich habe mich gefragt, ob Paulus vielleicht dabei war – oder ob er wohl davon gehört haben wird…

Jedenfalls war die Begegnung auf der Reise nach Damaskus ein echtes Schlüsselerlebnis für ihn. Außer Apg 9 können wir es  noch fünfmal aus dem Mund des Paulus hören / oder besser von ihm lesen! (Vgl. 1 Kor 9,1; 15,8; 2 Kor 4,6; Gal 1,12–16 und Phil 3,4–11).

Doch der Reihe nach: Paulus „schnaubt“ gegen die junge christliche Gemeinde. Und das klingt für mich schon beim Lesen bedrohlich, beängstigend, gewaltbereit. Er ist ja auch als frommer pharisäischer Jude der Überzeugung, dass hier etwas geschieht, das sich gegen seine innersten Überzeugungen richtet. (Und die Pharisäer wollten wirklich alles ganz richtig machen!) Auf der Eilreise, um die junge zerbrechliche Jesusgruppe zu zerschlagen, geschieht das, was für Paulus zur Grundlage der nächsten dreißig Jahre und all seiner Briefe wird: Er ist blind und hört eine Stimme, die ihn fragt: „Warum verfolgst du mich?“ und sich dann als Jesus zu erkennen gibt. (Im Galaterbrief steht das ein wenig anders…)

Der Jünger Hananias hat so viel von diesem Paulus gehört, dass er voller Angst ist. Er lässt sich von Jesus überzeugen, den Paulus zu beherbergen. (Vgl Apg 8 Philippus und der Schatzmeister)

Drei Fragen zum Schluss, die ich mir gestellt habe und nun auch Ihnen und Euch stellen möchte – und die ich bestenfalls für meine Person beantworten kann – und Ihr für Eure:

  1. Paulus glaubt klar zu sehen - und wie ist das mit meinen Sehminuten - oder „Sehgewohnheiten“? / DIE DREI MINUTEN

Ich dachte und denke oft, alles so klar zu sehen, dass es da kein Vertun und keinen Zweifel gibt. Immer wieder musste und muss ich demütig zu Jesus gehen und bekennen: Meine Sicht ist doch sehr begrenzt. Herr lehre mich, mit deinen Augen zu sehen!

  1. Paulus erblindet - und unsere blinden Flecke / DIE 3 TAGE

Nun kenne ich nicht Eure, aber meine blinden Flecke, Bereiche bei mir und anderen, wo ich einfach nicht hinschaue – oder die ich wirklich nicht sehe. Aber sie sind da. Gott sieht sie. Und sie behindern das klare unverstellte Sehen ungemein!

  1. Paulus kann wieder sehen - und wie ist das mit einem Wieder-Sehen bei Menschen heute – gibt’s das? / 30 JAHRE

Ich wünsche mir das so, wie es in der hebr. Bibel beschrieben ist, dass mir und uns und Menschen auf dieser Erde die Decke von den Augen gezogen wird, damit wir allesamt wieder oder ganz neu das Sehen lernen. Ein Sehen, dass alle Vernunft übersteigt. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernuft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, dem Gekreuzigten und Auferweckten und Gegenwärtigen!                                     

PAULUS    3 Minuten, 3 Tage und 30 Jahre                          

(Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Paulus_von_Tarsus)                               

Datum

Ereignis

Brief[4]

33

Berufung bei Damaskus

 

35

erster Jerusalembesuch

 

36–47

Reise nach Tarsus/Kilikien, Antiochia/Syrien;
eventuell Zypern, südliches

Kleinasien

 

Frühjahr 48

Apostelkonzil

 

Sommer 48

Zwischenfall in Antiochia

 

49/50

Reise durch Kleinasien und Makedonien

 

50–52

Korinth

 

51/52

Reise nach Antiochia

Erster Thessalonicher

52–55

Ephesus

54: Erster und Zweiter Korinther

55

Troas, Makedonien, Korinth

Galater; Römer

Frühjahr 56

Ankunft in Jerusalem

 

56–58

Gefangenschaft in Cäsarea

 

58

Amtswechsel von Felix zu Festus;
Überführung nach Rom

Philipper und Philemon

59

Ankunft in Rom

 

64

Tod

 

 

Projekte, die wir unterstützen

Opendoors

Open Doors unterstützt verfolgte Christen mit Selbsthilfe-Projekten, Literatur, Schulung von Leitern, hilft Gefangenen und den Familien ermordeter Christen. 

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Familie Schmid in Taiwan

Familie Schmid ging vor über 1 1/2 Jahren als Missionare nach Taiwan um einheimische Pastoren auszubilden.

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