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02. August 2020 Online-Predigt

Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrerin z.A. SONJA MITZE (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Predigttext    Joh 9,1-7
Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.
Onlinepredigt

Liebe Leserinnen und Leser! Liebe Schwestern und Brüder!

„Was habe ich getan, dass Gott mich so sehr bestraft?“
Diese Frage bekomme ich immer wieder mal zu hören: am Krankenbett; bei Trauerbesuchen; im Altenheim. Immer dann, wenn es Menschen schlecht ergeht und sie keine Ahnung haben, warum sie all das durchmachen müssen.
Eine alte Frage, die offenbar nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Schon im Alten Testament wird sie Hiob gestellt und in unserem Predigttext stellen die Jünger sie Jesus: Rabbi, wer hat gesündigt, der Blindgeborene oder seine Eltern? Krankheit und Leid wird auch heute noch von vielen als Strafe Gottes angesehen.
Und gerade in der letzten Zeit begegnen uns solche Theorien wieder öfter: Corona als Strafe Gottes. Wofür genau diese Strafe sein soll, hängt dann von der Meinung dessen ab, der dies behauptet. Ich will nicht verhehlen, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen unserem Verhalten und unseren Krankheiten gibt. Ist ja inzwischen auf jeder Zigarettenpackung nachzulesen, dass man mit Rauchen seiner Gesundheit schadet. Auch die Frage, wie wir uns ernähren, ob wir uns ausreichend bewegen und unserem Körper genügend Ruhe gönnen, hat bekanntlich Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Aber ist es dann wirklich eine Strafe Gottes, wenn wir aufgrund unserer Lebensweise krank werden oder nicht eher eine logische Konsequenz unseres Handelns? Aber was ist mit denen, die ihr ganzes Leben gesund gelebt haben und trotzdem Krebs bekommen? Was ist mit denen, die mit einem Herzfehler oder blind geboren werden? Sind es dann die Eltern, die mit der Krankheit ihrer Kinder bestraft werden sollen? Oder womöglich die Kinder selbst?

Jesus hebt die Frage der Schuld in diesem Zusammenhang auf, denn im Grunde ist die Frage falsch gestellt: weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sagt Jesus. Und wie so oft lenkt er unseren Blick in eine ganz andere Richtung: weg von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Die Frage der Schuld weist Jesus zurück, nicht aber die Frage nach dem Warum, die in solchen Situationen unweigerlich in uns aufsteigt: Warum? Warum diese Krankheit? Warum gerade mein Kind? Warum gerade jetzt? - Fragen, die mir oft gestellt werden. Fragen, auf die ich keine Antwort weiß und keine Antwort geben kann. Denn ich bin zutiefst überzeugt davon, dass die Antwort auf diese Frage – wenn überhaupt – nur in uns selbst im Gespräch mit Gott zu finden ist. Dennoch eine wichtige Frage, denn oft ist die Antwort darauf der Schlüssel zur Heilung. Manchmal können wir sie allerdings auch erst im Rückblick beantworten und manchmal bleibt uns die Antwort auch ganz verschlossen und dann bleibt uns nichts anderes übrig als das, was jetzt ist, zu akzeptieren, auch wenn wir nicht wissen, warum wir es durchmachen müssen.

Die Frage der Jünger nach der Schuld weist Jesus zurück, allerdings gibt eine Antwort auf die Frage nach dem Warum: an dem Blindgeborenen sollen die Werke Gottes offenbar werden. Jesus ist von Gott gesandt worden, um Gottes Werke zu tun, um Licht in die Finsternis dieser Welt zu bringen. In diesem Fall bedeutet das: Er schickt den Blinden auf den Weg der Heilung. Er streicht ihm einen Brei aus Spucke und Erde auf die Augen und schickt ihn zum Teich Siloah, um ihn abzuwaschen. Und auch das finde ich sehr spannend: Jesus macht den Blinden nicht einfach sehend, sondern er bindet ihn ein in den Prozeß der Heilung. Er schickt ihn auf den Weg und übergibt ihm so die Verantwortung für seine Heilung. Er eröffnet ihm Freiraum: Es ist seine Entscheidung, ob er tut, was Jesus sagt oder nicht, ob er will, dass ihm die Augen geöffnet werden oder ob er lieber blind bleiben möchte.

Der Blinde vertraut Jesus und macht sich auf den Weg zum Teich Siloah. Und indem er tut, was der Gesandte Gottes ihm gesagt hat, wird er selbst zum Gesandten. Der Evangelist Johannes deutet das an, indem er den Namen des Teichs mit „gesandt“ übersetzt – übrigens ethymologisch nicht ganz korrekt, dafür theologisch umso richtiger. Denn der, der Jesus trotz aller Sinnlosigkeit vertraut – denn mal ehrlich: Spuckebrei auf Augen, um einen Blinden zu heilen macht nicht wirklich Sinn, oder? - dem werden tatsächlich die Augen geöffnet, ihm wird das Augen-Licht geschenkt. So wird auch der Blinde durch sein Vertrauen zum Gesandten des Lichts und später im Kapitel wird er sein Vertrauen, seinen Glauben nicht nur durch sein Tun, sondern auch mit Worten bekennen.

Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, sagt Jesus zu den Jüngern – bemerkenswert, wie ich finde, denn er nimmt die Jünger hier mit hinein in seinen Auftrag, Gottes Werke zu tun und so Licht in die Welt zu bringen. Und so heißt es auch in der Evangeliumslesung für diesen Sonntag: "Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Mit 5,16) So wie Jesus dem Blinden das Augenlicht geschenkt hat, so schenkt er auch uns Gottes Licht. Und mit dem, was wir in diesem Licht tun, sollen wir die Dunkelheit dieser Welt erhellen. Denn Dunkelheit ist nicht dazu da, um uns zu bestrafen, sondern um sie zu erhellen. Es ist an uns, den Weg, den Jesus uns schickt, voller Vertrauen zu gehen, manchmal sogar im blindem Vertrauen, selbst wenn wir (noch) keinen Sinn darin erkennen können, aber immer mit der Gewissheit, dass Gott uns begleitet, dass sein Licht uns den Weg aus der Dunkelheit heraus ins Licht weisen wird.

Amen

Ihre Vertretungspfarrerin Sonja Mitze

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