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28. August 2022 Predigt

Guido Kohlenberg - „KEIN SCHWAMM-DRÜBER-BLUES“                       

PREDIGT zu 2. SAMUEL 12
 

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommen wird!

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Geschister,

den für heute vorgeschlagenen Predigttext finden wir im 2. Samuelbuch. Aus dem 12. Kapitel lese ich die ersten 15 Verse:

1 Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. 2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt's wie eine Tochter. 4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war. Und er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.

 5 Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! 6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.

7 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls 8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen in deinen Schoß, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun.

 9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durch das Schwert der Ammoniter. 10 Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei. 11 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei deinen Frauen schlafen soll an der lichten Sonne. 12 Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne.

 13 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben. 14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben. 15 Und Nathan ging heim.

 Kein Schwammdrüberblues! Kein Respekt vor großen Namen. Keine Beschönigung der Verfehlung und erst recht  … keine Gnade? Nein, das stimmt so nicht! Natürlich – wer schlechte Nachrichten überbringt, der braucht ein schnelles Pferd. Und da der Prophet keine Pferde besitzt, muss er zu einer List greifen – oder besser: Er muss sich überlegen, wie er die Botschaft Gottes an den Mann bringt.

 Und dieser Mann ist der König höchstpersönlich. Ein Mann - beinahe möchte man „leider“ sagen - dem sein Mannsein vor die Füße fällt. In Person der Frau seines Nachbarn, den er höchstpersönlich in den Krieg geschickt hat. Damals zogen Könige eigentlich noch mit in den Krieg – allen voran. Aber das nur nebenbei – in einer Zeit, wo Drohen und Bomben die Schmutzarbeit der Schlacht erledigen. David war schon damals ein moderner Heerführer: Er blieb zuhause – in der Kühle des Palasts.

 Und er sieht, wie die Frau auf der nahen Dachterrasse sich wäscht – und … will sie haben. Und was der König haben will …

Denken wir erst gar nicht: „Sie hätte doch schreien können!“ oder ähnliche Machosprüche. Sie, diese da, hätte beileibe NICHT schreien können!

 Sie wird schwanger, lässt es dem Mann im nachbarlichen Palast mitteilen. Der Krieg dauert an. Die Abwesenheit ihres Mannes auch. Und der König – dem fällt nichts Besseres ein, als den Uria, ihren Mann, vom Feld zurückrufen zu lassen, um die ganze Angelegenheit zu vertuschen. – HEIMATURLAUB!

 Doch dieser Uria ist ganz und gar Soldat „Es soll mir doch nicht besser gehen als meinen Untergebenen an der Front!“ – So bliebt er vor der Stadt und zieht den Staub der harten Straße aus Pflichtbewusstsein dem weichen Ehebett vor.

 Pech gehabt, David! Keine Chance! Keine Chance gegen Gott! Doch daaas sieht er – noch – nicht ein. Jetzt schickt er den Uria – als er wieder losgezogen ist – durch den Hauptmann Abner (?) ganz ganz ganz nach vorne an die Front platzieren. Die Feinde (………………….) greifen an.

 Alle ziehen sich auf Weisung Abners und des Königs zurück. Und überlassen den Mann der Bathseba … den Speeren und Schwertern des Feindes. Was der König sich ersonnen hat, geschieht. Uria stirbt.

 Und die Frau, mit der der König Ehebruch begangen hatte, bekommt ihre Trauer; und dann nimmt sie der König zur Frau. Und singt still für sich den SCHWAMMDRÜBERBLUES………………………………...

 Doch Gott bleibt das alles nicht verborgen. WENN Du an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs glaubst, lieber David, dann brauchst Du Dir doch nicht vorzumachen, er halte sich wie die drei Affen Augen, Ohren und Mund verschlossen. Gott schickt seinen Mann, den alten Propheten Nathan. An dessen Front. Auch kein Zuckerschlecken.

 Was für ein schlichter Name: „Nathan!“ „Er - hat - gegeben!“ Und was Gott ihm gibt, das hat Nathan weiterzugeben. So einfach ist das. SCHWAMMDRÜBERBLUES geht anders! - Und hier beginnt unser Abschnitt.

 Und geht es in diese Geschichte um Nathan? Geht es vor allem um die Bathseba und den Uria und vielleicht noch um den Hauptmann Abner? - Oder geht es nicht doch wenigstens um König David? – (Wenn ich schon so frage, nicht wahr?) Nein! …

 Auf das Gleichnis des Propheten hin, von dem David ja noch gar nicht weiß, dass es ein Gleichnis ist, ruft er laut: „So wahr der HERR lebt – dieser Mann muss sterben!“ Nathan sagt es ihm dann auf den Kopf zu: „DU bist der Mann! – DU hast das Wort des HERRN (!) missachtet!“ Und David antwortet „Ich habe gesündigt gegen den HERRN!“ Es geht um Gott! Es geht um Gottes Ehre! Es geht darum, wie vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geredet wird unter seinen Feinden. Und deshalb kann es keinen Schwammdrüberblues geben!

 GNADE hingegen gibt es – Gnade mit Beigeschmack…

 Denn (1) das Kind stirbt. Auch wenn wir von einem „Kind der Liebe“ hier nicht werden sprechen können. Und das ist angekündigtes Gerichtshandeln Gotts (2) Uria wird nicht wieder lebendig. Ein stückweit hat Gott das Geschehen … geschehen lassen. Führung Gottes heißt eben nicht, dass er über jede Einzelheit entscheidet. (3) Gott kommt im Wort eines Menschen. Auch wenn das ein geachteter Prophet ist. Wie in Davids Leben, bleibt auch bei uns meist Frage offen: Hat da jetzt Gott selber gere-det? Beim großen David mag sich vielleicht ja auch die Stimme des Gewissens geregt haben. Wir lesen davon nichts. Und sein Handeln lässt das auch nicht erkennen.

 Von der anderen Seite betrachtet, könnte ich auch sagen, wenn ich mit einer ordentlichen Portion Mundwasser den Beigeschmack verdrängt habe: Gott handelt hier. Und er ist gnädig darin. (1) Auch der „Mann Gottes“, der König Israels kann nicht einfach machen, was er will, und die Gesetze nach seinem Belieben auslegen. Er muss sich der direkten Konfrontation durch den Seher stellen (2) In dem Moment, wo David sich selber in der Erzählung ent-deckt – nicht auf Anhieb, klar – da gewährt Gott ihm die Möglichkeit der Umkehr durch das Versagen, die Be-schämung und die Strafe hindurch und – obwohl er sich selber das Todesurteil gesprochen hatte. Und (3) es gibt ein Weiterleben. Auch für David und Bathseba. Das Kind, das später geboren wird, wird Salomo („Friedenskind“) heißen. Von dem wird es heißen: „Gott liebte ihn!“ Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernuft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, dem Gekreuzigten und Auferweckten und Gegenwärtigen!

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