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29. März 2020 Lesegottesdienst

Sonntag Judika „Schaffe mir recht, Gott!“ (Psalm 43,1)

von Pfarrer GUIDO KOHLENBERG, SPEICHER (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Begrüßung:

Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, diese Andacht zu lesen. Mit den Texten der Bibel und den Gebeten werden es wohl etwa 10 Minuten sein. Wenn Sie die Musikstücke zusätzlich anklicken, wird es insgesamt etwa eine Viertelstunde sein. Allein die Predigt wird Sie maximal 5 Minuten Ihrer Zeit kosten.

Audio-Datei zu diesem Gottesdienst zum vorlesen lassen

Votum

So seien Sie gewiss: Menschen kommen auch heute zusammen
im Namen Gottes des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich und nicht loslässt, was er geschaffen hat. (Amen)

Wochenspruch

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Mt 20,28)

Psalm    Psalm 43

1 Ein Lied der Korachiter, vorzusingen, nach der Weise »Junge Frauen«. 2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. 3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, 4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela. 5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. 6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. 7 Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. 8 Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela. 9 Kommt her und schauet die Werke des HERRN, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, 10 der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. 11 Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will mich erheben unter den Völkern, ich will mich erheben auf Erden. 12 Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela.

Lied     EG316

Das Lied wurde eingespielt von unserer Organistin Erika Burnett.

Predigttext    Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 12-14

(12) Deshalb auch Jesus, damit er durch sein eigenes Blut das Volk heilige, außerhalb der Stadt litt er. (13) Darum lasst uns nun hinausziehen zu ihm aus dem (befestigten) Lager, sein öffentliches Beleidigtwerden mittragend. (14) Wir haben hier nämlich keine Stadt, die bleibt, sondern suchen die eine Stadt auf, die erst noch anfängt.“ (Eigene Übersetzung)

Kurzpredigt    Liebe Leserin, lieber Leser!

„Mach dir aber nicht die Finger schmutzig!“ Irgendwo trage ich solche Sätze als Erinnerungen frühester Kindheit mit mir herum. Vielleicht reagiere ich deshalb ein wenig allergisch auf diesen Predigtabschnitt und das, was beim Hebräerbriefschreiber – nennen wir ihn mal Paulus - dahintersteckt. Und genügend Aus- und Umzüge habe ich in meinem Leben auch schon hinter mir, um lebhafte Bilder davon vor Augen zu haben.

Auch in wahrhaft königlichen Zeiten Davids vor 3000 und zur Zeit Jesu vor 2000 Jahren galt nicht nur für Jerusalem und gilt auch heute noch: Wer auf die Müllkippen vor der Stadt geht, der macht sich unweigerlich die Finger schmutzig. In diesen Tagen sind in aller Welt Menschen unterwegs, die in Krankenhäusern, Apotheken, Supermärkten, Tankstellen... tätig sind und … sich die Finger schmutzig machen.

Für Paulus ist Jesus der perfekte Hohepriester. Paulus nimmt die Geschichten auf, die wir von der Wüstenwanderung des Volkes Gottes kennen. Das Zelt der Begegnung (man kennt es als „Stiftshütte“) lag außerhalb des Lagerbereichs der 12 Stämme. Und nur Mose durfte dort hinein. Er kam aus dieser Gottesbegegnung so strahlend heraus, dass er sich ein Tuch um den Kopf legen musste. Ähnlich die Hohenpriester, die einmal im Jahr den allerheiligsten Bereich des Tempels aufsuchen durften, um ein besonderes Opfer zu bringen  am Großen Versöhnungstag. Und den verlagert Paulus nun auf den Hügel Golgatha.

In Jesus kehrt sich nämlich die Geschichte irgendwie um. Er, der wahrhaft heilige Hohepriester, wird geschmäht und öffentlich beleidigt und dort draußen auf „Golgatha“, der Müllhalde vor der Stadt Jerusalem bestialisch getötet.
Er geht eben nicht aus dem Profanen ins Heilige wie Mose oder alle Hohenpriester Israels nach ihm. Er geht aus den scheinbaren Sicherheiten der befestigten Stadt hinaus in den sicheren Tod. Und Paulus lädt nun seine Leser – ich fühle mich derzeit besonders davon angesprochen – ein, ebenfalls aus den scheinbaren Sicherheiten aufzubrechen - hinaus vor die Tore der Stadt.

Natürlich denkt er dabei nicht an ein Unterlaufen der     Ausgangsbeschränkungen durch Italiener unserer Zeit. Vielmehr – und das sagt der 14. Vers – hat er eine Dimension im Blick, die weit über diese Zeit, über dieses Leben hier hinausreicht.

Und, bitte, ich will diese paar Jahrzehnte, die wir auf der Erde leben, überhaupt nicht kleinreden. Gott, der Schöpfer, selber hat doch Wunderbares hineingelegt, was wir sehen, riechen, betasten ... können – so manches, was mir erst wieder schmerzlich bewusst wird, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist, wie z. B. eine Umarmung zur Begrüßung oder eine deftige Bandmusik im Gottesdienst…

Aber es stimmt mich schon nachdenklich, was jemand einmal so prägnant formulierte: Die Menschen wurden früher viel älter. Sie hatten 50 Jahre + eine Ewigkeit. Heute sind es nur noch 80 bis 90 Jahre. Hmmm…

„Alles, woran Du Dich hier festhältst (und jeder, an den Du dich hältst)“ – so könnte man die Verse frei übersetzen – „hat letztlich keinen Ewigkeitswert. Das (und der oder die) vergeht irgendwann. Diese Stadt aber, in der Jesus jetzt schon dabei ist, Wohnungen für seine Leute vorzubereiten, dorthin sind alle die äußerst neugierig und erwartungsvoll unterwegs, die IHM vertrauen.“

Das Auto meines Vaters ist schon über 30 Jahre alt. Und es fährt immer noch. Aber es ist nichts gegen diese geradezu himmlische Stadt! Sie ist, ja, ohne Verfallsdatum sozusagen. Mich tröstet das inmitten all der Unsicherheiten unserer Tage – wo sich scheinbare Sicherheiten als überaus dünnes Eis erweisen. Mir macht das Mut, (noch eine zeitlang) gerade hier mittendrin in dieser zerbrechlichen Welt zu leben und zu wirken und zu handeln und zu empfangen und Worte zu sammeln und sich vielleicht auch „die Finger schmutzig zu machen!“
Seien Sie nun von Gott behütet!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre Sie in Christus Jesus, dem Gekreuzigten und Auferweckten und Gegenwärtigen! (Amen)

Gebet

Dreieiniger Gott, voller Gnade und Wahrheit und mir immer wieder auch so fremd in deinem Handeln! Hab Dank, dass Du mittendrin bist auf den Müllhalden vor der Stadt und den Sickergruben meines eigenen Lebens. Vergib, wo ich mich allzusehr um mich selber gedreht und weder nach Dir, noch nach meinen Mitmenschen gefragt habe. Nun rede Du auch in mein Herz hinein! Und gib den Verantwortlichen dieser besonderen Tage Weisheit und Kraft! Schenk gerade den Trauernden und Kranken auf der ganzen Welt am Besten Heilung und notfalls Den einzigartigen Trost Deiner Gegenwart! (Amen)

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen     Nun will ich Ihnen zusprechen – und nehmen Sie es ruhig ganz persönlich:

Gott, der Herr, segnet dich und behütet dich;
er lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig;
er erhebt sein Angesicht auf dich und gibt dir Frieden. (Amen)

Gruß

Ich wünsche Ihnen nun noch von ganzem Herzen
gesunde, gesegnete und der Gegenwart Jesu gewisse Tage!

Ihr Guido Kohlenberg, Pfr.

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